Westdeutsche Zeitung, 23.08.2003 (Von Silke Derkum)

"Jeder verhinderte Brand ist für uns ein großer Erfolg"

Seit sechs Jahren bringt das Brandschutzkaspertheater Ronsdorf Kindern den richtigen Umgang mit Feuer und das Verhalten in Notsituationen bei.

Ronsdorf. Rauch steigt aus der Scheune auf und lässt nichts Gutes erahnen. Mit seinem Silvester-Böller, den Seppel noch vom letzten Jahreswechsel übrig hatte, hat er die ganze Scheune in Brand gesetzt. "Du musst die Feuerwehr rufen", schreien die Kinder vor der Bühne aufgeregt. Christoph Henne und Klaus Hegemann vom Brandschutzkaspertheater können zufrieden sein. Sie haben ihr Ziel erreicht die Kinder haben begriffen, was bei einem Feuer zu tun ist. Seit 1997 ist das Kaspertheater fester Bestandteil der Brandschutzerziehung der Freiwilligen Feuerwehr Ronsdorf.

 
Mit Spaß bei der Sache: Christoph Henne und Klaus Hegemann, alias Feuerteufel und Feuerwehrmann Fix, zeigen Kindern, was bei einem Brand zu tun ist. (Foto: Gerhard Bartsch)
13 Puppenspieler aus den Jugendfeuerwehren Ronsdorf und Hahnerberg sowie Angehörige des Löschzuges Ronsdorf treffen sich seitdem einmal pro Woche im Steigerturm der Feuerwache, um die Stücke für die Brandschutzerziehung der Kinder im Kindergarten und Grundschulalter einzuüben. Den Kindern soll der richtige Umgang mit Feuer und das Verhalten in Notsituationen vermittelt werden. "Jeder verhinderte Brand ist für uns ein großer Erfolg", sagt Unterbrandmeister Klaus Hegemann, der beim Puppentheater für die Verwaltung, Technik und Requisite zuständig ist.

Ein Erfolg, der nicht messbar ist. "Die Kollegen in der Leitstelle berichten aber, dass die Notrufe von Kindern viel qualifizierter geworden sind, seitdem wir mit dem Theater unterwegs sind", ergänzt Christoph Henne, seines Zeichens Brandschutzkaspertheaterdirektor. Längst ist das Kaspertheater über die Grenzen Wuppertals hinaus bekannt. In Frankfurt, Augsburg oder Zeltingen an der Mosel haben die Ronsdorfer schon gespielt. Ein Höhepunkt war ihr Auftritt zur Eröffnung der Brandschutzwoche Rheinland-Pfalz, wo sie ihre Bühne am Deutschen Eck in Koblenz aufgestellt haben.

"Es gibt nicht viele Brandschutztheater, die in Deutschland aktiv sind", sagt Christoph Henne. Immer wieder wird die Schützenhilfe der Wuppertaler angefordert, wenn andere Feuerwehren mit dem Puppentheaterspielen beginnen wollen. Denn die Ronsdorfer sind inzwischen richtige Profis. Beim wöchentlichen Spieltraining werden nicht nur die Rollen geübt. "Man muss lernen, die Puppen passend zum Text zu bewegen und vor allem, sie immer auf der richtigen Höhe zu halten", erklärt Hegemann. Daneben gibt es viel zu organisieren.

Rund 20 Auftritte absolviert die Theatergruppe im Jahr. Professionalität zeichnet jeden Auftritt aus. Wenn sie gebucht werden, bringen sie nicht nur ihre komplette Bühne selbst mit, auch um Beleuchtung und Tontechnik kümmern sich die jungen Feuerwehrleute. Gerade letztere ist wichtig. "Beim Kinderfest der WZ im Zoo hatten wir fast 1500 Zuschauer", sagt Henne. "Da geht es ohne Kopfmikrofone gar nicht."

Rund 20 Minuten dauern die Stücke, die von den Ensemblemitgliedern selbst geschrieben werden. "Von der ersten Idee bis zur Uraufführung dauert es eineinhalb bis zwei Jahre", sagt Hegemann. Erst wenn die Stücke perfekt eingeübt sind, gelangen sie zur Aufführung.

Der besondere Stolz der Puppenspieler sind natürlich ihre Puppen. Die Ronsdorfer spielen mit Klappmaulpuppen und den klassischen Hohnsteiner Holzhandpuppen. Besonders dem Feuerwehrmann in der Sammlung ist die Liebe zum Detail anzusehen. "Den Helm, den er trägt, gibt es nur zwei Mal auf der Welt", erzählt Henne mit Stolz. Die österreichische Firma Rosenbauer, die normalerweise Helme für echte Feuerwehrleute herstellt, hat die Miniaturausgabe extra für den Puppenfeuerwehrmann angefertigt.

Ein Kamerad aus dem Löschzug hat eine Kübelspritze, einen Feuerlöscher und einen Sicherheitsgurt mit einem nur streichholzgroßen Beil für die Handpuppe gebastelt. Damit ist er bestens ausgestattet und die Scheune, die Seppel in Brand gesetzt hat, kann fachmännisch gelöscht werden.

Von Silke Derkum

 

 


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